SCHULPROJEKT MAISLABYRINTH
 
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Bei den Überlegungen, welches Projekt wir im Schuljahr 1999/2000 durchführen könnten, kamen wir mit Herrn Dr. Wagenhäuser von der Akademie für Agrarmarketing ins Gespräch. Von ihm stammte die Anregung, ein Maislabyrinth zu erstellen und zu betreiben. Relativ schnell war sich die Klasse A der Zweijährigen Fachschule Agrarwirtschaft einig, dass sie dieses Projekt durchführen wollte. Mit der tatkräftigen Hilfe Herrn Dr. Wagenhäusers - dem an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich gedankt sei -, der in der Anfangsphase sehr viel Arbeit und Zeit in die Unterstützung des Projektes investierte, machte das Projekt rasche Fortschritte.

Über die Rahmendaten wurde man sich schnell einig. Es gelang, die ca. 6 ha große Fläche vor der Schule zu pachten.  Verschiedene Finanzpläne wurden erstellt und mögliche Sponsoren angesprochen. Das Echo der angesprochenen Sponsoren war sehr ermutigend. Die Kalkulationen ergaben einen ungefähren Kostenrahmen von 30 000 DM. Bei ungefähr 5000 Besuchern konnten wir mit einer schwarzen Null als finanziellem Ergebnis rechnen. Auch ein Informationsabend verlief sehr erfolgreich. Insbesondere die dort erschienenen Sponsoren ermutigten uns, das Projekt weiter voranzutreiben. Um die Finanzierung sicherzustellen engagierten sich die Schüler sowie die Obertstudienräte Hartmut Töter und Dr. Rudolf Goerke mit jeweils 100 DM Einlage und gründeten eine GbR. Auf diese Weise sollte sichergestellt werden, dass auch alle verpflichtet werden konnten, an den Arbeiten über das Ende des Schuljahres hinaus mitzuwirken, was aber nur teilweise erreicht wurde.

Bis zur Eröffnung am 16. Juli gab es viel zu tun: Es musste mit Sponsoren verhandelt werden, mit Banken und Behörden, Aktionstage wurden geplant, eine Werbekampagne musste entwickelt werden, Versicherungen mussten abgeschlossen werden, Werbeverträge waren abzuschließen, sanitäre Anlagen sollten bereitgestellt werden und vieles andere. Außerdem musste der konkrete Anbau geplant und durchgeführt werden und die baulichen Einrichtungen errichtet werden. Darüber hinaus musste der Plan des Labyrinthes entworfen werden. Letztlich ergaben sich drei verschiedene Labyrinthe, die nacheinander zu durchlaufen waren. Der Mais wurde in der Hälfte des üblichen Reihenabstandes gedrillt und nach dem Auflaufen wurden die Wege hineingefräst. Ein Schaugarten wurde angelegt, um auf verschiedenen Parzellen die heimischen Kulturpflanzen den Verbrauchern präsentieren zu können.

Am 16. Juli war es dann so weit, dass wir unser Maislabyrinth öffnen konnten. Bei der Eröffnungsfeier sprachen Vertreter der Stadt Celle, des Landkreises, des Berufstandes, des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und Herr Dr. Wagenhäuser. Musikalisch wurde die Eröffnungsfeier von den Bläsern des Bläserkreises Bokel begleitet.
Schon an diesem ersten Tag zeichnete sich ab, dass das Projekt gut ankam. Auch das Begleitprogramm wurde gut angenommen. Die GbR hatte für den Verkauf von Würstchen und Getränken gesorgt. Am ersten Tag verkauften die Landfrauen aus Burgdorf Kaffee und Kuchen und an den folgenden Wochenenden sorgten die Mitarbeiterinnen des Café „KräuThaer“ der Albrecht-Thaer-Schule für das leibliche Wohl. Eine Hüpfburg für die Kleinen und eine Arbeitsbühne für den guten Rundumblick rundeten die Angebote ab, so dass jeder auch noch einmal sehen konnte, wo er sich im Labyrinth verlaufen hatte.
Da alle Schüler entweder auf dem elterlichen Betrieb arbeiteten oder bereits eine Arbeitsstelle hatten, konnte das Schulprojekt nur an den Wochenenden betreut werden. Doch auch während der Woche gab es immer wieder Gruppen – nach Anmeldung – und auch einzelne, die sich gerne verlaufen wollten. Als Attraktionen für die Wochenenden waren Aktionen geplant, die den Besuchern einen zusätzlichen Anreiz boten: „Von der Gerste zum Bier“, „Oldtimer“, „Landwirtschaft stellt sich dar“, „Maistag mit Maisnacht“, „Feuerwehrtag“, „Bauernmarkt“ und zum Abschluss „Tierschau und Abschlussfete“.

Je nach Arbeitseinsatz der verantwortlichen Organisatoren waren die Besucher begeistert oder auch eher etwas enttäuscht. Ohne Arbeit und Zeitaufwand schüttelt man ein solches Zusatzangebot neben dem normalen Projektablauf eben nicht aus dem Ärmel. Die Fähigkeit, solche Aufgaben konsequent anzupacken und sich den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen, ist doch sehr unterschiedlich ausgeprägt. Ein solches Schulprojekt bezieht ja seine Berechtigung daraus, dass alle Schüler die Gelegenheit, die sich ihnen zum Lernen bietet, nutzen. Es ist normal, dass bei einer Gruppe von 22 Schülern der Einsatz - und damit der Lernerfolg - nicht gleichmäßig ist.

Sicher ist, dass dieses Projekt in hohem Maße die Chance bot, mit den Verbrauchern in Kontakt zu kommen, kaufmännisches und unternehmerisches Verhalten einzuüben und sich vertieft mit den Anforderungen eines Betriebsablaufes auseinanderzusetzen.
Verständlich auch, dass diese Fähigkeiten nur an Projekten geschult werden können, da der konventionelle Unterricht dafür zu wenig Handlungsspielraum bietet. Aus diesem Grund sind sie eine enorme Bereicherung des regulären Unterrichtes. Kritisch muss man aber auch die Größe der Gruppe betrachten: Bei 24 Gesellschaftern sind die Kommunikationsverluste einfach enorm hoch. Das kostet viel Zeit und schafft Reibungsverluste.

Hat es sich denn nun gelohnt? Uneingeschränkt ja!

Ungefähr 10 500 zahlende Besucher waren da, davon viele Mehrfachbesucher. Es war kein Projekt nur für eine Zielgruppe, wie es heute oft vom Marketing gefordert wird. Es war eine Veranstaltung für Eltern mit Kindern, für Großeltern und Enkel, für Jugendliche und Erwachsene, für sportlich orientierte als auch für meditativ veranlagte und darum war es auch vom Umsatz her ein Erfolg! Es hat einfach Spaß gemacht, mitzuerleben, wie alle ihr Vergnügen hatten, die Kinder, die mit leuchtenden Augen zurückkamen, immer wieder an der Kasse fragten, wie schnell sie waren, die gesetzteren Herrschaften, die manchmal auch nur auf der Fahrradtour Station machten, um noch einen Becher Kaffee zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen und die vielen Menschen, die uns mitteilten, dass es Ihnen Freude gemacht hat. Damit war das Maislabyrinth in jedem Fall ein Imagegewinn für die Landwirtschaft und für die Albrecht-Thaer-Schule, zumal wir auch eine ausgesprochen gute Presse hatten.

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